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Einzelheiten zur Tour Geigenkamm: Mainzer Höhenweg

Aufbruchszeit8.September 2017, 06:40
Ankunftszeit8.September 2017, 18:00
KategorieHochtour Hochtour
Schwierigkeitmittel mittel
Länge in km12
Höhendifferenz1350
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Streckenprofilhier klicken!

Weitere Einzelheiten zur Tour

Nach fünf Tourentagen auf dem Geigenkamm war ich in einer extrem guten Verfassung und auch gut an die Höhe angepasst. Mit Birgit habe ich den Entschluss gefasst, den Mainzer Höhenweg zu probieren. Die Hüttenwirtin der Rüsselsheimer Hütte sagte, sie schätzt den Höhenweg bei den Schneeverhältnissen auf 15 Stunden! Puh, das war eine Ansage! In die Einschätzung des Weges warf ich all die Erfahrungen und Beobachtungen der letzten drei bis vier Tage: Exposition, Ausaperung der felsigen Stellen, kammnahe Stellen freigeweht etc. Es könnte klappen, aber wir wussten nicht, was uns über 3000 Meter Höhe erwartete! Hüfthoch verwehter Schnee?? Also, um kurz nach halb sieben ging es los, der Hüttenwirt der Rüsselsheimer war gnädigerweise schon wach und gab uns das Frühstück raus. Ach ja, ein weiterer Grund, den Geigenkamm zu wagen: Für den heutigen Tag war das beste Wetter der ganzen Tage angesagt. Wenn, dann heute!!
Wir passierten den kleinen See unter dem Weißmaurachjoch. Der Boden war durchgefroren. Im Schatten stiegen wir das Joch hinauf. Fest verfrorener Moränenschutt, bei Plusgraden ein Brei, jetzt fest wie Beton. Unter der Scharte ein mühsamer Aufstieg durch feingestuften Fels mit Altschneeeinschlüssen. Aber um kurz vor halb neun stehen wir auf der Scharte. Bis hierhin ging es richtig gut. Mein Eindruck vom Altschnee: Er ist durchgefroren. Wir machten keine lange Pause, sondern legten die Steigeisen an. Die ersten Meter den Rücken in Richtung Puitkogel hinauf zeigten: Der Firn ist in perfektem Zustand, die Steigeisen halten ideal, wir brechen nicht einen cm in den Altschnee ein!! Die Querung hinüber zur ersten stangenmarkierten Scharte schafften wir so spielerisch! Man muss auch einmal Glück im Leben haben. Vor diesem Abschnitt hatte uns die Hüttenwirtin gewarnt, denn in diesem nordseitigen Stück hält sich der Schnee am längsten. Bei Erreichen der Scharte und Einblick in den weiteren Streckenverlauf keimt in mir die Hoffnung auf, dass der Mainzer Höhenweg zu schaffen ist! Unglaublich! Das hätte ich vor drei Tagen nicht gedacht.
Wir lassen die Steigeisen an und gehen den weiteren Streckenverlauf kombiniert an, eine gute Idee, denn immer wieder wechseln sich Fels und gefrorener Firn ab. Den südlichen Puitkogelferner (immer noch sehr spaltenreich) überqueren wir problemlos an einer günstigen Stelle, wir finden auch den Weg zurück in die Felsen sehr gut, dann legen wir die Steigeisen ab und machen eine kleine Frühstückspause. Wir sind gut vorangekommen. Jetzt folgt eine längere Felspassage, die gut zu beklettern ist, dann eine südöstliche Querung an den Beginn des Hochkars unter dem Wassertalkogel. Dieses Hochkar war dann der letzte Prüfstein, hier hat sich der Schnee gehalten, er ist in der Mittagssonne durchgeweicht, und Birgit und ich kämpfen uns immer höher, hinauf auf den Hauptkamm des Geigenkamms. Irgendwann ist es geschafft, und Gratkopf um Gratkopf arbeiten wir uns empor und stehen irgendwann neben der Biwakschachtel. Ein Rundumblick sondergleichen, wir können es gar nicht fassen. Drei Bergsteiger kommen uns entgegen, sie kommen von der Braunschweiger Hütte. Auf dem Wassertalkogel machen wir eine ausgiebige Gipfelrast, dann müssen wir aber weiter, denn der Gratweg zum Karleskopf ist mit ca. 4 Stunden noch sehr lang. Eigentlich sieht alles zum Greifen nah aus, doch das Vorankommen gestaltet sich doch erstaunlich zäh, immer wieder unerwartete Gegenanstiege, Kletterstellen und am Ende eine einstündige, sehr zermürbende Passage im Blockgeröll, wo wir Kathrin treffen, die auch noch ein wenig die Aussicht in diesem Gebiet genießen will. Irgendwann erreichen wir das Nördliche Pollesjoch. Eine letzte Pause, die letzten Vorräte verzehren. Ein Prüfstein kommt noch: Der tiefe Abstieg des Franz-Auer-Steigs und der sich anschließende Gegenanstieg. Aber auch das bewältigen wir, und dann können wir bequem zur Braunschweiger Hütte absteigen. Ralf kommt uns entgegen, aber weder Birgit noch ich wollen den Rucksack an ihn abgeben. Das schaffen wir jetzt auch noch. Sehr gefreut haben wir uns, als Christine, Jaime und Holger uns mit zahllosen La-Ola-Armschwüngen an der Hütte begrüßen. Tja, und dann stürzten wir uns in den Trubel der E5-Wanderer, erschöpft, aber glücklich. Was für ein herrlicher Tag auf dem Geigenkamm!

Epilog: Am 10.09. haben wir noch ein längeres Gedicht für das Gästebuch der Braunschweiger Hütte verfasst, dessen Inhalt hier wiedergegeben werden sollte:
Die HTG kam mit acht Mann
durch den Schnee vom Geigenkamm.
Der Traum vom Wildgrat platzte jäh
und auch die Nordumgehung hatt' viel Schnee.
In der Erlanger Hütte waren wir fast allein,
so kann der Bergsommer in Tirol auch sein.
Auf der Feilerscharte ein schrecklich' Firngewühl,
Endlich Ankunft in der Frischmannhütte, welch schön's Gefühl!
Tags drauf über's Felderjöchl zum Hauersee,
fast nur apere Wege, ach wie schee!
Die Selbstversorgung stopfte unsere Magenlöcher,
gut gestärkt bestanden wir den Tag der Jöcher!
Der Mainzer Höhenweg ist ein dicker Brocken,
nur zwei ließen sich dazu verlocken.
Und ob durch's Tal oder auf des Grates Schneid,
das Ziel - die Braunschweiger Hütte - bleibt.
Der Hüttenwirt empfing uns toll,
das Winterlager aber war zu voll!
Nun wird gefeiert, Hoch die Tassen!,
und auch die Heimfahrt wird schon passen!

Letzte Änderung : 26-Dez-2016
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