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Auflistung meiner bisher gegangenen Touren


Einzelheiten zur Tour Geigenkamm: Zur Erlanger Hütte

Aufbruchszeit4.September 2017, 08:04
Ankunftszeit4.September 2017, 16:46
KategorieBergwanderung Bergwanderung
Schwierigkeitschwer schwer
Länge in km12
Höhendifferenz1300
Kartenausschnitthier klicken!
Streckenprofilhier klicken!

Weitere Einzelheiten zur Tour

Am Vorabend hatte unsere achtköpfige Gruppe lange diskutiert und beratschlagt, wie wir zur Erlanger Hütte laufen wollten. Wir hatten uns also auf die Nordumgehung geeinigt. Grob gesagt war das die Strecke: Aufstieg nach Osten in den Sattel zwischen Hoch- und Sechszeiger auf 2300m. Abstieg zum Walder Bach nach Südost, hinab auf ca. 2000m. Dann Aufstieg nach Nordost, später Südost an den Fuß der Murmentenkarspitze zu einem Gratübergang, der uns zum Forchheimer Weg führen sollte. Höchster Punkt der Strecke mit 2660m, wahrscheinlich waren hier auch die Hauptschwierigkeiten mit dem Schnee zu erwarten. Abstieg in ein Hochtal auf ca. 2350m Höhe, um direkt danach zur nächsten Scharte auf 2600m aufzusteigen. Danach mehr oder minder harmloses Gelände bis zur Erlanger Hütte.
Nun ja, wir standen früh auf, und bei Traumwetter (Frost in der Nacht!) erklommen wir den Kamm am Sechszeiger über die schneefreie Fahrstraße, weil dies am schnellsten ging. Im Sattel war der Abstieg schnell gefunden, dann ging es in ungespurtes Gelände. Wir kamen gut voran, plötzlich von hinten ein lauter HALT-Ruf: Ronald hatte seine Sonnenbrille verloren. Während wir vorne grummelten und über drakonische Strafen sonnen (Der muss aber nachher auf der Erlanger eine Runde schmeißen!), war Ronald wahrscheinlich sehr aufgeregt, den er hatte mitnichten seine Sonnenbrille verloren. Stattdessen war ihm ein Glas aus der Brille herausgefallen, mitten in den Schnee hinein. Es dauerte zehn Minuten, bis Birgit das Glas gefunden hatte. Nach kurzer Reparatur konnte es dann weitergehen, und wir ließen uns dann auch erweichen und verzichteten auf Reparaturzahlungen in Form von Freibier. ;-)
So arbeiteten wir uns langsam zum Walder Bach hinunter. Vor uns entwickelte sich eine dramatische, tief verschneite Gebirgslandschaft, mit Hochzeiger, Wildgrat und Brechkogel vor uns! Unten angekommen fanden wir schnell die Markierung des weiteren Wegs, und dann spurte uns Kathrin einen Weg bis auf ca.2500m Höhe hinauf. Der Schnee wurde immer höher, am Ende war er deutlich knietief, und es war mit den Rucksäcken wirklich Schwerstarbeit. Oben auf einem Vorgipfel bogen wir um eine Ecke, und plötzlich waren ca. 100 Schafe vor uns, die sogar Autobahnen in die verschneiten Bergwiesen getrampelt hatten, die wir problemlos benutzen konnten. Die Sonne versteckte sich nun hinter den ersten Schleierwolken, und ein kühler Wind machte eine Pause doch recht ungemütlich. Nach kurzer Zeit hatten wir das Ende der Schaftrampelpfade erreicht, und Ralf spurte nun einen breiten Bergrücken hinauf zu einem markanten Steinmann am Fuße der Murmentenkarspitze in 2650m Höhe. Nicht immer konnte er die Windkante finden, und dann hieß es wieder durch Tiefschnee spuren. Am Steinmann übernahm ich dann die Spurarbeit. Da hatte ich mir ja die richtige Passage ausgesucht! Blockgeröll, Tiefschnee, und nur ganz selten mal eine Markierung. Zum Glück waren die Sichtverhältnisse ausgezeichnet. Und so fräste ich mich durch das üble Gelände zum dem kleinen Grat aus Blockwerk, der den Schartenübergang zum Forchheimer Weg bildete. Es folgten noch einmal 300 kribblige Meter. Rechts ging es relativ steil hinab, links weniger steil, aber immer noch viel Blockwerk. Zwei oder drei Gratköpfe mussten direkt überklettert werden, andere konnten auf schmalen Grasbändern umgangen werden. Alle stiegen hochkonzentriert, und so war diese heikle Passage auch bald überwunden, und wir standen am Einstieg des gut ausgebauten Abstiegswegs hinunter in das nächste Tal, wo schon ein großer See auf uns wartete. Plötzlich von links ein Rumoren: Eine Nassschneelawine hatte sich auf den steilen Wiesenhängen gelöst und polterte zu Tal, verschüttete einen Teil unseres Weges weiter unten. Aber der Hüttenwirt der Erlanger hatte recht, hier lauerten keine Schwierigkeiten auf uns, der Weg war breit, und ich konnte eine gute Spur legen, und so waren wir bald unten im Tal. Dort gab es Schnaps aus dem Flachmann, weil wir jetzt den schwersten Teil der Strecke geschafft hatten.
Nach einer kurzen Pause ging es noch ein wenig bergab, bis ca. 2350m, dann mussten wir die nächste Scharte erobern. Der Weg war wirklich äußerst geschickt angelegt und wand sich verwinkelt empor durch den kompakten Fels. Nur kurz vor der Scharte eine ca. 200m lange Tiefschneepassage, die aber auch schnell gespurt war. Es eröffnete sich uns ein neuer Blick in das Leiersbachtal, nur die Erlanger Hütte war noch nicht zu sehen: der Äußere Hohe Kogel verdeckte die Sicht.
Einigen war jetzt die Erschöpfung der absolvierten 1200 Höhenmeter anzusehen, wir machten noch einmal eine zehnminütige Pause, dann folgten die letzten knapp 2km bis zur Erlanger Hütte. Kurz vor der Hütte noch ein ekliger Hüttenschinder mit Ketten und hohen Stufen. Die Hüttenwirte hießen uns herzlich willkommen, ein kurzer Anruf bei der Tanz-Alm, und dann konnte der gemütliche Teil folgen. Es gab Steinbockgulasch, ein oder zwei Bier, und dann fielen die meisten erschöpft in die Lager. Alle waren sehr froh, dass die Tour heute so gut geklappt hatte, und bei dem Wetter war es ein wirkliches Erlebnis, das man zu der Jahreszeit sicher nur ganz selten hat!


Letzte Änderung : 26-Dez-2016
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