Startseite
Über Mich
AHP4
Galerie
Sehschlangen
Tourenbuch
Bookmarks
Elektronik
Bewertung
Geschichten

Auflistung meiner bisher gegangenen Touren


Einzelheiten zur Tour Alemannenweg Tag 6: Von Ernsthofen nach Brensbach

Aufbruchszeit11.May 2020, 09:02
Ankunftszeit11.May 2020, 14:48
KategorieMittelgebirge Mittelgebirgstour
Schwierigkeitmittel mittel
Länge in km19
Höhendifferenz430
Kartenausschnitthier klicken!
Streckenprofilhier klicken!

Weitere Einzelheiten zur Tour

Kurz bevor ich in den Schlafsack gekrabbelt bin, habe ich noch zu Anette gemeint, dass es vorstellbar ist, dass in der Nacht der Wind auf Nord dreht (es war eine echt krasse Kaltfront angesagt!) und dass es dann auf meinen Schlafsack regnen könnte. Aber irgendwie war ich zu faul, oder zu optimistisch, oder beides. Genau, und um halb drei wurde ich vom Regen geweckt, der auf meinen Schlafsack prasselt. Ein Unglück kommt ja immer selten allein. Da meine eigene Stirnlampe leer war und ich nicht wusste, wo Anette ihre abgelegt hatte, habe ich blind die Hütte zur anderen Seite gequert und dort den Biwaksack abgerupft. Im Anschluss habe ich so gut es ging, den Biwacksack über meiner Bank montiert. Als aber um fünf der Wind noch lebhafter wurde, fiel der Biwaksack runter. Ich musste also noch einmal nachjustieren. So prall war die Nacht also nicht. Gegen sieben Uhr standen wir dann auf, die Luft hatte sich mittlerweile auf ca. 6 Grad abgekühlt. Brr, das war schon ziemlich kalt, Draußen regnete es mittlerweile wie aus Eimern, das waren für heute echt miese Aussichten! Zudem hatte es Holgers Socken erwischt, die waren klitschnass. Er musste also auf das Ersatzpaar ausweichen. Auch zahlreiche Sachen, die auf der Ostseite der Hütte auf der Ablage waren, sind nass oder feucht geworden. Wir wussten ja schon seit einigen Tagen, dass uns dieser Regentag bevorstand, und ich hatte mir auch eine Taktik überlegt, wie ich den Schlafsack trocken zum Etappenziel bringen wollte. Grund für diese Taktik war dieser eine schicksalhafte Regentag in Island, als über das Tragesystem Wasser in das Bodenfach des Rucksacks sickerte und der dort in einem spritzwasserdichten Beutel gepackte Schlafsack Wasser aufsog. Ja, diese Taktik beruhte auf dem Einsatz des Biwaksacks. Aber Moment: Der hing ja nass am Hüttenfenster! Nun ja, mein Kalkül war jetzt: Wenn ich den Schlafsack in eine Tüte einpacke, diese Tüte dann in den Biwaksack wickele, hilft es dann? Die Auflösung gibt es am Ende...
Um 9 Uhr brachen wir auf, kompletten Regenschutz montiert und alle Klamotten am Leib, die wir dabei hatten, denn es war nicht nur nass, sondern auch kalt und windig. Bei mir dauerte es ca. 15 Minuten, ehe die Hände mit der nassen Kälte zurecht kamen. Klein Bieberau lag malerisch in ein Tal gebettet, aber fotografieren ließ sich das nicht. Vorbei am Hottenbacher Hof (bei schönem Wetter am Wochenende sicher ein tolles Ausflugsziel!) umgingen wir den Heugenberg nordseitig und erreichten damit Burg Lichtenberg. Bei schönem Wetter sicher auch schön. In der Kirche in Niedernhausen machten wir kurz Pause, um etwas anzutropfen. Da Anette aber schnell kalt wurde, mussten wir nach 15 Minuten weiter. Um Strecke zu sparen und Brensbach früher zu erreichen, suchte ich ab Niedernhausen die kürzeste Route, den Alemannenweg verließen wir also. Die kürzeste Strecke klappte erstaunlich gut, wir fanden einen beschilderten Wanderweg, der auf kürzester Strecke durch den Wald nach Brensbach führte. In Brensbach hinein zum Rewe, aufwärmen und einkaufen für den letzten Tourentag. Es folgten dann noch einige nasse grasbewachsene Feldwege, denn anscheinend waren unsere Stiefel noch nicht nass genug (Holgers Halbschuhe waren eh schon durch!). Am Eberhardts Brunnen fanden wir eine große und trockene Schutzhütte vor. Es ware aber mit +4 Grad immer noch sau kalt. Jetzt komme ich zur Auflösung des Schlafsackverpackungsrätsels: Er ist tatsächlich trocken geblieben, die Lehre daraus ist: Sachen, die in einen nassen Biwaksack eingewickelt werden, werden zumindest nicht nasser! Eine Plastiktüte hilft, die dem Biwaksack schon anhaftende Nässe abzuhalten, aber es kann keine weitere Nässe durch Tragesystem und Bodenfach hineingewalkt werden! Im Prinzip wäre das auch mit einen Außenzelt umsetzbar, wird aber wahrscheinlich am Platzbedarf scheitern.
Wir müssen allerdings drei sehr jämmerliche Gestalten abgegeben haben, in unseren Klamotten wurde uns allen sehr schnell bitterkalt. Es half nur, die Isomatten auszubreiten und sich in die Schlafsäcke zu legen, und es war erst 16:00 Uhr! Was tatsächlich funktioniert: Mit feucht-klammen Klamotten in den Schlafsack legen, Schlafsack schließen und alles mit der Körpertemperatur aufheizen. Wenn alles schön warm ist, Schlafsack komplett öffnen. Wasserdampf kann dann aufsteigen und sorgt für einen Trocknungseffekt. Selbiges gilt für die Kleidung am Leibe. Ich habe dies zweimal durchgeführt und konnte damit den Schlafsack trockener kriegen. Beschleunigt habe ich dies noch durch das Zuführen heißen Rotweins in mich selbst. :-)
Der Regen ließ um ca. 19 Uhr endlich nach. Abgesehen von einer ganz kleinen Regenpause hinter Niedernhausen hatte es von 5 Uhr an ununterbrochen geschüttet. Über wetteronline habe ich ermittelt, dass Darmstadt an diesem Tag der regenreichste Ort Deutschlands war: 48 Liter auf den Quadratmeter in 24 Stunden. Ich denke, da wird im Odenwald noch ein bisschen dazugekommen sein!


Letzte Änderung : 29-Nov-2019
Copyright Jens Köhler, Wolfsburg, Obere Dorfstraße 10d